Schrottmarkt

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Sommerliche Verschnaufpause?

Im Juni legte der Schrottmarkt bei weitgehend unveränderten Preisen, aber gleich bleibend hoher Stahlproduktion und entsprechend hohem Schrottbedarf eine Verschnaufpause ein. Einzelne Verbraucher konnten die Preisspitzen aus den Vormonaten abbauen. Insgesamt führten leichte Preisanpassungen nach oben beziehungsweise unten zu einem einheitlicheren Preisniveau als im Vormonat, in dem die Preise relativ stark auseinandergedriftet waren. Ansonsten blieben die Preise überwiegend unverändert; die Versorgung der Werke erfolgte zügig.
Obwohl die Umsätze auf Grund des hohen Preisniveaus in den Schrottbetrieben beachtliche Höhen erreicht haben, zeigen die Gewinne, dass die Kenntnis über die genaue Kostenstruktur des eigenen Unternehmens immer wichtiger wird. Allein bei den an die Stahlwerke gewährten Lieferantenkrediten für Zeiträume von 30 bis 90 Tagen machen sich die Finanzierungskosten pro Tonne deutlich bemerkbar. Deshalb beeinflusst die Antwort auf die Frage, wem man welche Mengen zu welchen Konditionen liefert, den Schrottstrom in zunehmendem Maße. Auch die Lagerhaltung kommt vor dem Hintergrund der jeweils individuellen finanziellen Möglichkeiten auf den Prüfstand.

Nachbarländer
Im Mai konnten sich die italienischen Werke ihre benötigten Mengen zu einem Preis sichern, der um zehn Euro unter dem je nach Sorte aktuellen Durchschnittspreisniveau von 470 bis 480 Euro pro Tonne lag. Dieses Niveau nahmen sie im Juni zum Anlass, alle anderen ausländischen Lieferanten darauf festzulegen. Durch den hohen Bedarf der Italiener – unter anderem bedingt durch fehlende Drittlandsimporte – war insbesondere das inländische Preisniveau höher als das in Deutschland. Entsprechend groß war die Lieferbereitschaft auch aus entfernteren Frachtgebieten als Süddeutschland. Der Preisanstieg, der im Mai für die inländischen Lieferanten Preise bis zu 530 Euro pro Tonne brachte, führte zu einem regen Import durch ausländische Schrotthändler für ihre italienischen Kollegen, so dass beide von den höheren Inlandspreisen profitieren konnten. Im Juni entschlossen sich die Werke in- und ausländischen Lieferanten den gleichen Preis zu zahlen. Angesichts möglicher Schrottlieferungen aus Drittländern im Berichtsmonat und der verkürzten Produktionszeit im Juli geht man in Handelskreisen für den kommenden Monat nochmals von unveränderten Preisen aus.
Die spanischen Werke waren nicht im Markt, da sie offensichtlich gut bevorratet sind und die traditionellen Sommerstillstände für Juli anstehen. Aus Exportkreisen wurden Beschwerden über die zunehmende Weigerfreudigkeit der Abnehmer bei den derzeit ankommenden Mengen laut, die als reine Abwehrmaßnahme einstuft wird. In Polen sind die Werke gut bevorratet. Deshalb konnten Schrottmengen zu einem Preis gekauft werden, der um fünf Euro unter dem des Vormonats liegt. Aus Tschechien waren bei unveränderten Preisen dagegen für den ostdeutschen Raum kaum Mengen zu bekommen. In den übrigen Nachbarländern blieben die Preise unverändert, wobei die Verbraucher in der Schweiz bestimmte Qualitäten ausschließlich im Inland kauften.

Gießereien
Die Auftragslage der Gießereien lässt kaum Wünsche offen. Die Schrottpreise, die nicht an bestimmte Durchschnittspreise gekoppelt sind, blieben unverändert. „Lediglich“ die hohen Rohstoffpreise, die nur zeitverzögert auf den Endabnehmer umgelegt werden können, drücken die Stimmung. Qualitätsroheisen aus Russland hat die Marke von 700 Euro pro Tonne genommen, für einzelne Qualitäten mussten sogar über 730 Euro bezahlt werden. Als Folge der Einführung des in Russland diskutierten Ausfuhrzolls in Höhe von fünf bis 20 Prozent auf Rohstoffe werden steigende Preise unausweichlich sein. Im Markt war bereits zu hören, dass russische Händler für alle Lieferungen, die nach der Einführung des Exportzolls getätigt werden, einen entsprechenden Nachschlag verlangen, da ansonsten eine Belieferung nicht erfolgen wird. Für die Gießereien ist eine vorausschauende Rohstoffbeschaffung wegen der Preisentwicklung auf den relevanten Rohstoffmärkten nicht mehr möglich.

Drittländer
Den türkischen Stahlwerken ist es gelungen, sich für Juli mit ausreichend Schrott (schätzungsweise 500.000 Tonnen) von der US-Ostküste einzudecken. Sie konnten dort die benötigten Qualitäten erstaunlich günstig zu rund 720 bis 730 US-Dollar pro Tonne C&F türkische Häfen von großen US-Händlern erwerben. Da die Frachten aus der EU in die Türkei gegenüber denen von der US-Ostküste in die Türkei ungünstiger waren, sahen sich die europäischen Exporteure nicht konkurrenzfähig. Obwohl die türkischen Betonstahlwerke derzeit ihre Produkte in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu rund 1.500 US-Dollar pro Tonne FOB absetzen können, versuchen sie durch günstige Schrotteinkäufe den Gewinn zu optimieren. Gerüchte, dass im Schwarzen Meer viele Schiffsladungen noch ohne Verträge für die Türken preiswert zu haben seien, konnten aus Anrainerkreisen nicht bestätigt werden. Die Türken haben sich für Juli ausreichend eingedeckt und kaufen derzeit nicht einmal preiswert angebotenen Schrott aus der Schwarzmeerregion, um ihre Marktmacht weiter auszuspielen. Dennoch geht man in Handelskreisen davon aus, dass die türkischen Verbraucher ab Mitte Juli Schrott für Ende Juli und August kaufen werden.

Aussichten
Die Schrottwirtschaft rechnet mit einer sommerbedingten Marktabschwächung, die bereits im Juni einsetzte. Die Einschätzungen für die weitere Preisentwicklung reichen von unverändert bis zu Abschlägen von bis zu 30 Euro pro Tonne. Abgesehen davon, steigen weltweit die Preise für Lang- und Flachprodukte und auch die Rohstoffpreise nehmen keine Auszeit. Eine zu starke Abkopplung der Schrottpreise von dieser Entwicklung ist kaum vorstellbar, so dass das Sommerloch nicht sehr tief werden dürfte.
Bei den alljährlichen Vorspekulationen über mögliche ferien- oder betriebsbedingte Schließungen der Elektrostahlwerke zeigt sich, dass diese – falls überhaupt – kürzer sein werden als im Vorjahr. Außerdem scheinen die meisten Werke Schrott durchzukaufen, so dass sich der Rückgang des Schrottbedarfs in Deutschland während der Sommermonate in Grenzen halten dürfte.
Es ist interessant zu beobachten, wie in Zeiten, in denen sich die Schrottpreise teilweise täglich ändern, die Marktteilnehmer nach Orientierungs-/Richtpreisen suchen, die das Marktgeschehen tatsächlich abbilden. Nach durchaus berechtigten Zweifeln an vorhandenen Angeboten, orientieren sich in Europa immer mehr Marktteilnehmer auf den Teilmarkt Automobilausschreibungen, der beispielsweise in den USA lange Jahre stark marktbeeinflussend gewesen ist. Immer weniger Schrottmengen werden über Auktionen angeboten und statt dessen den Verbrauchern direkt zu Preisen angeboten, die von den restlichen Auktionsteilnehmern ausgehandelt wurden. Seit Juni hat der entscheidende US-Anbieter von Automobilschrotten, Daimler Chrysler, die monatlichen Paketauktionen zu einem closed shop erklärt, so dass die Auktionspreise nicht mehr publiziert werden. In Deutschland richten immer mehr Marktteilnehmer ihr Augenmerk auf die Automobilausschreibungen, um aus den dort erzielten Preisen Markttrends abzuleiten. Entsprechend der letzten VW-Ausschreibung müssten die Preise im kommenden Monat steigen!
Auch die weit verbreitete Anbindung von Verträgen an den Durchschnittspreis der Mitgliedswerke der WV-Stahl stellt längst nicht mehr alle Nutzer zufrieden. So geht etwa die Salzgitter AG für ihren Absatz neue Wege, indem sie künftig den Schrottanhänger nicht mehr an die Sorte 2 des Durchschnittspreises der Mitgliedswerke der WV-Stahl koppelt, sondern eine hausinterne Variante geschaffen hat, die die eigenen tatsächlich gezahlten Schrottpreise berücksichtigt. Der Stahlproduzent will so Preisverzerrungen beim Stahlabsatz aus dem Weg gehen.

Redaktionsschluss 20.06.2008, BG-J, bvse

 


Marktbericht Schrott Italien

Ungeachtet einiger wirtschaftlicher Unsicherheiten der Weltwirtschaft erwartet der Handel eine anhaltend starke Stahl-Nachfrage, verbunden mit einer gesunden Preisdynamik. So lauteten zumindest die Prognosen während der BIR-Frühjahrstagung in Monte Carlo. Getragen werden diese Vorhersagen von den allmählich erstarkenden Entwicklungsländern, der wachsenden Weltbevölkerung und damit einer Zunahme des Pro-Kopf-Verbrauchs an Stahl.
Das bedeutet, die Grunddaten für die nächsten Jahre sind positiv, das Recycling erlangt eine immer größere Bedeutung und es wird immer wichtiger, noch mehr Abfälle zu Sekundärrohstoffen aufzubereiten, da sie nicht nur knapper werden, sondern auch zu einer Verminderung des CO2-Ausstosses beigetragen.
Zwar haben das warme Wetter und die höheren Preise zu einem höheren Altschrottaufkommen geführt, doch war das Aufkommen an Neuschrott wegen der abnehmenden Automobilproduktion rückläufig.
Seit zwei Monaten liegen die Preise über den Zielvorgaben, obwohl die Stahlnachfrage schwächer wird und einige Werke die Produktion ein wenig kürzen.
In Italien ist hinsichtlich der Interpretation der Begriffe Abfall/Sekundärrohstoff endlich eine Entscheidung gefallen und zwar zu Gunsten des Abfalls und damit sehr nahe an der EU-Gesetzesvorgabe. Infolge dieser Erwartung haben die Werke einige Schrottladungen gekauft, von denen die ersten in den Häfen problemlos gelöscht wurden. Die Schwierigkeiten mit den Shredderrückständen und deren Deponierung sind aber weiter ungelöst.
Im Mai stiegen die Preise auf dem italienischen Markt wöchentlich um 120 Euro pro Tonne und um rund 110 Euro bei den Monatskontrakten mit deutschen und französischen Lieferanten. Die Liefermengen waren durch ein geringeres Aufkommen im inländischen Markt begrenzt, doch konnte dies durch hohe Lieferungen aus anderen europäischen Ländern ausgeglichen werden. Inzwischen verfügen die Werke über größere Bestände als vorher. Die Mai-Lieferungen per Schiff lagen bei rund 23.000 Tonnen Schrott, rund 105.000 Tonnen Roheisen und ungefähr 20.000 Tonnen HBI.
Der höchste Preis wurde aus dem Inland mit über 500 Euro pro Tonne gemeldet. Auf Grund des stabileren internationalen Marktes sollte es möglich sein, die Spitzen abzubauen.

Roheisen – HBI
Die gelöschten Lieferungen in den Häfen entsprachen dem Bedarf der Werke und auch die Nachfrage der Händler war gedeckt. Der Preis der letzten Verträge für Basisroheisen lag bei rund 950 US-Dollar pro Tonne CIF. Die Roheisenhersteller warten nun ab, bevor sie neue Höchstpreise für die Oktober-Lieferung anbieten.

Stahl
Alle Preise folgen den Rohstoffpreiserhöhungen auch wenn die Verkaufsmengen geringer geworden sind. Zukünftig wird es notwendig sein, den Trend täglich zu prüfen.

Quelle: Alocci Rappresentanze Industriali, Genua

 

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